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„Technik wird immer mehr zum Kollegen“. Anne-Sophie Tombeil, Expertin für die Arbeit der Zukunft, im Interview.

Published on 12 February 2019 In der Zukunft der Arbeit wird Technik immer mehr zum Kollegen

„In Zeiten des Wandels besteht die größte Gefahr darin, mit der Logik von gestern zu handeln.“ Dieses Zitat des US-amerikanischen Ökonom Peter Drucker bringt die Herausforderungen der Digitalisierung aber auch die Chancen auf den Punkt: Vieles wandelt sich und Unternehmen können dies als Chance begreifen. Jedoch müssen sie sich auch auf eine neue Denkweise einlassen, um die positiven Effekte für sich nutzen zu können – und nicht ins Abseits zu geraten. Wie genau sehen die Veränderungen der Zukunft aus? Was bedeutet Arbeit der Zukunft und wie können sich Unternehmen darauf vorbereiten? Werden Roboter die Menschen ersetzen?

Anne-Sophie Tombeil, Expertin auf dem Gebiet „Arbeit der Zukunft“ am Fraunhofer IAO gibt im Interview Antworten auf diese Fragen und einen umfassenden Einblick in die Arbeit von morgen.

Frau Tombeil, Sie beschäftigen sich am Fraunhofer IAO mit der Frage nach der Arbeit der Zukunft. Welche Veränderungen sehen Sie denn in diesem Bereich auf uns zukommen?

Hierzu möchte ich zuerst die Beziehung von Mensch und Technik herausstellen, die sich verändern wird – es kommt zu einer neuen Form von Mensch und Technik Kollaboration. Bislang war es in der Automatisierung so, dass es eine Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine und die dazugehörigen Schnittstellen gab. Wir hier am Institut gehen davon aus, dass sich das künftig ändern wird: Roboter verlassen schon heute oftmals den Sicherheitszaun, bekommen haptische Oberflächen und werden immer kleiner, manchmal menschenähnlicher, humanoid. Damit wird eine direkte Interaktion, sozusagen Hand in Hand zwischen Mensch und Maschine möglich: Die Kollaboration geht über die reine Schnittstelle hinaus. Die Technik in Form von Robotern wird immer mehr zum Kollegen.

Kollegen in Form von Robotern – das wirft eine Frage auf, mit der sich schon in der Vergangenheit viele Science-Fiction Romane beschäftigt haben: Macht sich der Mensch durch Robotertechnologie selbst überflüssig?

Es geht vor allen Dingen darum, die Technologie als Vorteil zu begreifen und um den ethisch korrekten Umgang mit Digitalisierung. Hier am Institut vertreten wir eine Kombination von zwei Zukunftsszenarien: Das Automatisierungsszenario und das Werkzeugszenario. Beim Automatisierungsszenario geht es vornehmlich um Ablösung menschlicher Arbeit durch Technologie – was aber gerade bei schweren, gefährlichen oder gar krankmachenden Aufgaben ein sehr großer Vorteil sein kann. Der Mensch muss seine Gesundheit nicht mehr gefährden, die Humanisierung der Arbeit liegt diesem Gedanken also zugrunde.

Darüber hinaus gibt es auch das Werkzeugszenario, in dem Mensch der Mensch die Maschine, die auch ein Programm oder ein Algorithmus sein kann, als effizienz- und effektivitätssteigerndes Mittel nutzt. Wie eine Schaufel, einen Bagger, statt mit den Händen zu graben. Wie ich schon beschrieben habe, geht das in Zukunft über die reine Schnittstellenzusammenarbeit hinaus, von der Nutzung als Werkzeug zur Kollaboration. Gut gestaltete Technologien können zum „Companion“, zum partnerschaftlichen Begleiter des Menschen werden. Es kommt zu wechselseitiger Interaktion, Assistenz und Lernen. Auf beiden Seiten. Hier stellt sich natürlich ganz klar die Frage: Wer bleibt der Chef im Ring? Wer behält die Kontrolle? Viele ungeklärte Fragen gilt es hier in Zukunft zu beantworten: Wie sieht verantwortungsbewusste Technologieentwicklung aus? Wie müssen sich Strukturen, Prozesse und Kompetenzen in den Arbeitswelten verändern, die neue kognitive Technologien entwickeln und diese Technologien einsetzen? Wie können wir Akzeptanz für neue Technologien schaffen, bei Beschäftigten, bei Kunden? Wie steht es um das Thema Datenschutz und Datensicherheit? Wir als Institut arbeiten in einer ganzheitlichen Sicht auf Mensch-Technik-Organisation. Ich halte die Schaffung von Akzeptanz durch echten Nutzwert und die passgenaue Integration von Technik in die Unternehmen und an der Schnittstelle zwischen Unternehmen und Kunden durch partizipative Gestaltung für relevante Faktoren.

Wie sieht denn die richtige Integration von Technik im Zuge der Digitalisierung und damit einhergehend der Transformation von Unternehmen für Sie aus?

In einem unserer Projekte zu Künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt, auch jenseits der Produktionshallen, in der Sacharbeit entwickeln wir eine dreigliedrige Vorgehensweise bei der Transformation. Wir beschäftigen uns dabei mit den folgenden Themen: Was ist technologisch in meinen Unternehmen möglich? Wie sind die Prozesse in meinem Unternehmen und was möchte ich erreichen? Welche Tätigkeiten, welche Routinen aber auch welche cleveren Work-Arounds sind bei Mitarbeitenden im Unternehmen wirklich beobachtbar? Bei der Betrachtung dieser drei Aspekte geht es darum, dass die technischen Voraussetzungen im Unternehmen, die Prozesse als und die Tätigkeit selbst beleuchtet werden. Dabei kann es natürlich verschiedene Schwerpunkte geben. Dem einen ist es besonders wichtig, technologisch ganz vorne mitzuspielen, die Andere setzt auf die Kraft smarter Prozesse, ein Dritter will beliebtester Arbeitgeber sein. Jede Präferenz lässt sich gestalten. Aber: nur wenn alle drei Aspekte in Veränderung zu mehr Digitalisierung und künstlicher Intelligenz in der Arbeit mit einbezogen werden, kann die Transformation nachhaltig gelingen. Letztlich muss nämlich auch die Frage beantwortet werden, ob die Qualität der Arbeit verbessert werden kann, das, was der Einzelne tut und was dabei herauskommt.

Und dabei kommen schnell vielfältige weitere Fragen auf: Wie bleibt man als Arbeitgeber in einem stark umkämpften Arbeitsmarkt noch attraktiv? Was macht man mit den Menschen, deren Tätigkeit im Zuge der Digitalisierung von Technik ersetzt wird? Wie weit kann Digitalisierung den Menschen entlasten und lässt so Raum für Wissensarbeit und Kreativität? Es muss unserer Ansicht nach immer eine ganzheitliche Betrachtung, die Zusammenschau von Mensch und Technik stattfinden.

Eine Zusammenschau von Technik und Mensch – wie kann sich der Mensch denn in dieser digitalisierten Arbeitswelt orientieren? Wie wichtig sind Schlagworte wie Agilität?

Wir sehen eine ganz entscheidende Entwicklung: vom Komplizierten hin zur Komplexität. Statt gewohnter Wertschöpfungsketten wird es in Zukunft komplexe Ökosysteme geben. Kompliziert ist etwas, wenn es viele Bestandteile hat – beispielswiese Komponenten, Interessen, Prozesse. – die man irgendwann alle zusammengebracht hat. Dann entscheidet man sich für eine Lösung. Heute aber bewegen wir uns ins Komplexe. Hier gelten andere Grundregeln: Es gibt sehr viele verschiedene Bestandteile. All diese Bestandteile stehen in ständig wechselnden Beziehungen zueinander. Somit entsteht eine Dynamik, in der sich Emergenz realisieren kann. Systemteile konfigurieren sich ständig selbst neu und es kann immer wieder Unvorhergesehenes geschehen.

Und was bedeutet dies für den Menschen in der Komplexität?

Der Mensch darin steht vor einer neuen Herausforderung: Er muss Entscheidungen treffen, obwohl er keinen Überblick über alle Möglichkeiten und Bestandteile besitzt. Denn trotz der Informationsfülle, größerer Speicher und Big Data nimmt die Unsicherheit zu. Es gibt keine Sicherheit der Entscheidung für eine Lösung die dauerhaft gilt, denn man hat nie alle Teile des Systems beieinander. Die Frage, wie solche Ökosysteme in Zukunft gesteuert werden sollen, treibt die Wirtschaft und uns um. Die Antwort ist noch nicht im Detail erforscht. Wir werden in Zukunft anders denken und handeln müssen, agiler sein, neue Arbeitsformen schaffen, um auf die Emergenz reagieren zu können. Waren die industriellen Revolutionen bislang ein Mehr an Spezialisierung, wird dies in Zukunft anders aussehen. So kommt man nicht mehr weiter: Vernetzung ist das Stichwort der Zukunft, starre Ketten haben ausgedient Komplexität kann man nicht beherrschen. Aber: man kann sich mehr oder weniger souverän in ihr bewegen. Wenn man beweglich wird.

Herzlichen Dank für das Interview, Frau Tombeil.

Sie möchten noch mehr erfahren? Im zweiten Teil des Interviews geht es um das Zusammenspiel von Arbeit und Privatleben, die nötigen Skills in den Unternehmen und der Frage, wie verschiedene Generationen mit den kommenden Veränderungen umgehen werden. Erfahren Sie in der nächsten Woche mehr dazu!

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